Was genau ist die Aorta und welche Erkrankungen der Aorta werden in der Gefäßchirurgie Siegen behandelt?
SIEGEN. Die Aorta ist die Arterie, die von der linken Herzkammer zunächst aufsteigend, dann mit einem Bogen durch den Brustkorb in den Bauchraum verläuft und schließlich in die Beckengefäße übergeht. Von dieser Hauptschlagader hängt die gesamte Versorgung des Körpers mit sauerstoffreichem Blut ab. Ihr Verlauf wird in fünf Abschnitte unterteilt:
- Segment I: Die Aorta ascendens ist der aus dem Herzen hervorgehende aufsteigende Teil der Hauptschlagader.
- Segment II: Daran schließt sich der Aortenbogen mit den davon abgehenden Gefäßen für die Versorgung des Gehirns und der Arme an.
- Segment III: Der Aortenbogen geht in die Aorta descendens thoracalis, den Aortenabschnitt im Brustraum, über. Von hier aus werden das Rückenmark, die Zwischenrippenräume und die lange Rückenmuskulatur mit sauerstoffreichem Blut versorgt.
- Segment IV: Das viszerale Segment ist der obere Teil der Aorta descendens abdominalis. Dieses Segment verläuft unterhalb des Zwerchfells. Hier gehen die Eingeweideschlagadern (Viszeralarterien) zu Magen, Milz, Leber, Dünndarm, Bauchspeicheldrüse und Nieren ab.
- Segment V: Der Bereich unterhalb der Nierenarterien wird als infrarenaler Aortenabschnitt bezeichnet. Dieser versorgt hauptsächlich den Dickdarm. Etwa in Höhe des Bauchnabels teilt sich die Aorta in die Beckenschlagadern auf.
Der Aorta kommt also eine zentrale Versorgungsfunktion im menschlichen Körper zu. Erkrankungen der Hauptschlagader können daher mit schwerwiegenden Folgen für den Organismus verbunden sein.
Welche Aortenerkrankungen gibt es
Häufige Erkrankungen der Aorta sind die Arteriosklerose (Verkalkung) und Aneurysmen (Erweiterungen). Aneurysmen der Hauptschlagader entstehen in 70 Prozent der Fälle auf Grundlage einer Arteriosklerose. Andere Mechanismen zur Entstehung von Aneurysmen sind Bindegewebserkrankungen, die zu einer Schwäche der Aortenwand führen können. Weiterhin können sich infektiöse Erkrankungen oder Autoimmunerkrankungen negativ auf die Stabilität der Gefäßwand auswirken. In der Folge kommt es zu einer sackartigen Auswölbung der Aorta, die als Aneurysma bezeichnet wird. Eine besondere Form des Aortenaneurysmas ist die Aortendissektion, die mit einem Riss und einem Ablösen der innersten Schicht der Aortenwand einhergeht. Bei Unfällen kann eine traumatische Aortenruptur (Platzen) auftreten. Diese Erkrankungen können lebensgefährlich werden. Rasche ärztliche Hilfe ist von großer Bedeutung. Bei verletzter Aorta lässt sich unter Röntgendurchleuchtung mit speziellen Kathetern über einen Zugang in der Leiste eine Stentprothese in die Hauptschlagader implantieren. So wird die Läsion von innen abgedichtet.
Die häufigste Erkrankung an der Aorta ist die Arterienverkalkung
Die Arterienverkalkung führt zu einer Einengung (Stenose) oder gar zu einem Verschluss einer Körperarterie. Risikofaktoren sind z.B. das Rauchen, Übergewicht (Adipositas), erhöhte Blutfettwerte die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder die Nierenfehlfunktion (Niereninsuffizienz). Andere, durch den Patienten nicht-beeinflussbare Faktoren stellen das biologische Alter, das Geschlecht oder seltene genetische Erkrankungen dar. Kommt es zu Kalkablagerungen in der Aortenbifurkation (Aufteilung der Hauptschlagader in die Beckenarterien) kann es zur typischen Beschwerden einer arteriellen Verschlusskrankheit führen. Auch ein Verschluss der Schlagadern mit Zeichen einer Beinischämie sind möglich. Die sogenannte Leriche-Symptomatik ist hierbei ein Sonderfall, der bei Männern in einer bestimmten Symptomkombination auftreten kann.
Wie merkt man Probleme mit der Aorta, zum beispiel ein Aneurysma?
Oftmals bleiben sie lange unbemerkt: Probleme mit der Aorta entwickeln sich häufig schleichend. Viele Betroffene bemerken zunächst keine Beschwerden. Erste Anzeichen können jedoch uncharakteristische Brust-, Rücken- oder Bauchschmerzen sein. Diese Schmerzen treten oft plötzlich und heftig auf – ein Warnsignal, das ernst genommen werden sollte. Bei Aneurysmen im Bauchbereich berichten manche Patientinnen und Patienten von einem pulsierenden Gefühl im Bauch oder von diffusen Beschwerden im Rücken. Wird die Aorta durch Kalkablagerungen verengt, kann es zu Durchblutungsstörungen kommen – mit Schmerzen in den Beinen, Schwäche oder Leistungsverlust.
Wann muss eine Aorta operiert werden?
Eine Operation an der Aorta ist nicht in jedem Fall sofort notwendig – sie hängt von verschiedenen Faktoren ab. Häufigster Grund für eine geplante Operation ist ein Aneurysma, also eine krankhafte Erweiterung der Gefäßwand. Dabei gilt als allgemeine Richtlinie für eine OP:
• ab einem Durchmesser von 5,5 Zentimeter im Bereich der Bauch-Aorta (abdominelles Aneurysma)
• ab 5,0 Zentimeter im Bereich der Brust-Aorta (thorakales Aneurysma) sollte operativ eingegriffen werden, da das Risiko für eine Ruptur stark ansteigt.
Neben diesen geplanten Eingriffen gibt es jedoch auch akute Notfälle, bei denen eine sofortige Operation lebensrettend ist. Dazu zählen:
• Ruptur eines Aneurysmas der Aorta: Ein plötzlicher Riss der Aortenwand führt zu inneren Blutungen, Schockzuständen und erfordert sofortige chirurgische Versorgung.
• Aortendissektion: Dabei reißt die innere Wandschicht der Aorta ein, Blut dringt zwischen die Wandschichten und kann lebenswichtige Abgänge blockieren oder die Aorta zerstören. Eine Dissektion kann ein lebensbedrohlicher Notfall sein und muss – je nach Typ – offen oder endovaskulär versorgt werden.
• Traumatische Aortenverletzungen: Bei schweren Unfällen, etwa Verkehrsunfällen oder Stürzen aus großer Höhe, kann es zu einem Einriss oder kompletten Zerreißen der Aorta kommen. Ist die Aorta geplatzt, muss sie sofort versorgt werden – meist mit einer Stentprothese, die über die Leistenarterie eingebracht wird.
Darüber hinaus können auch starke Verkalkungen oder funktionelle Einschränkungen wie ausgeprägte Engstellen (Stenosen) im Bereich der Aortenbifurkation eine Operation erforderlich machen, um die Durchblutung der Becken- und Beinarterien sicherzustellen.
Egal, ob geplant oder notfallmäßig – über die Notwendigkeit und das geeignete Verfahren entscheidet ein interdisziplinäres Team aus Gefäßchirurgen, Radiologen und Kardiologen. In spezialisierten Zentren wie der Gefäßchirurgie Siegen stehen hierfür moderne Operations- und Kathetertechniken in einem Hybrid-OP-Saal zur Verfügung.
Ist eine OP an der Aorta gefährlich?
Eine Operation an der Aorta ist ein großer Eingriff, der mit gewissen Risiken verbunden ist – vor allem, wenn es sich um einen Notfall handelt. Dank moderner Techniken wie der endovaskulären Aneurysmaausschaltung (EVAR/TEVAR) kann heute jedoch oft minimalinvasiv über die Leistenarterie operiert werden. Diese Verfahren schonen den Körper und können das Komplikationsrisiko reduzieren. In spezialisierten Gefäßzentren ist die Erfolgsrate solcher Eingriffe hoch und Betroffene könne zu einem weitgehend normalen Leben nach der Aorta Operation zurückkehren.
Wie gefährlich ist eine erweiterte Aorta?
Eine erweiterte Aorta (Aneurysma) birgt die Gefahr, dass die Gefäßwand reißt – ein medizinischer Notfall mit hoher Sterblichkeit. Je größer das Aneurysma, desto höher das Risiko einer Ruptur. Deshalb ist eine regelmäßige Überwachung wichtig, um rechtzeitig eine Behandlung einleiten zu können. Auch ohne akute Beschwerden sollte eine erweiterte Aorta immer ernst genommen werden.
Ist eine verkalkte Aorta gefährlich?
Ja, eine Verkalkung der Aorta kann den Blutfluss erheblich behindern. Die Folge sind Durchblutungsstörungen, Organschäden oder sogar Gefäßverschlüsse. Besonders gefährlich ist der distale Aortenverschluss oder das sogenannte Leriche-Symptomatik, bei der Verkalkungen an der Aufzweigung in die Beckenarterien zu Beinbeschwerden, Impotenz bei Männern und sogar Gewebeuntergang führen können. Verkalkte Gefäße sind zudem anfälliger für Aneurysmen oder Dissektionen.
Was kann man gegen Verkalkungen der Aorta machen?
Ziel der Behandlung ist es, die Progression der Arteriosklerose zu stoppen und Komplikationen zu verhindern. Dazu gehören:
- Lebensstiländerungen: Rauchverzicht, gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung
- Medikamentöse Therapie: Senkung von Cholesterin, Blutdruck und Blutzucker
- Operative Verfahren: Bei schwerwiegender Stenose oder Komplikationen kann ein Stent eingesetzt oder ein Bypass gelegt werden.
Die wichtigste Maßnahme ist jedoch die Früherkennung: Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen zielen darauf, Aortenerkrankungen zu erkennen, bevor sie gefährlich werden.





