Warum das Frailty-Syndrom den Therapieansatz in der Gefäßchirurgie grundlegend verändert.
Mit dem demografischen Wandel – also einer immer älter werdenden Bevölkerung – steigt nicht nur die Lebenserwartung, sondern auch die Zahl medizinischer Eingriffe im höheren Alter. In der Gefäßmedizin zeigt sich dabei ein wachsendes Bewusstsein für das sogenannte Frailty-Syndrom – ein Beschwerdebild der Gebrechlichkeit, das weit über typische Alterserscheinungen hinausgeht. Es beeinflusst maßgeblich die Behandlungsergebnisse bei älteren Patientinnen und Patienten – insbesondere in der Gefäßchirurgie.
Frailty Syndrom – Bedeutung in der Gefäßchirurgie
Durchblutungsstörungen wie die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) betreffen zunehmend Hochbetagte. Schmerzen, Wunden oder Gangstörungen können operative oder interventionelle Eingriffe erforderlich machen. Doch diese Patientengruppe bringt oft eine besondere Vulnerabilität mit: das Frailty-Syndrom. Studien zeigen, dass gebrechliche Menschen nach einem Eingriff ein deutlich höheres Risiko für Komplikationen, Pflegebedürftigkeit oder sogar Mortalität haben – unabhängig davon, ob der Eingriff offen oder minimalinvasiv durchgeführt wird. Die Lebensqualität und Selbstständigkeit können sich nach der Operation massiv verschlechtern.
Merkmale
Das Frailty-Syndrom umfasst eine Vielzahl körperlicher, psychischer und funktioneller Einschränkungen. Dazu zählen:
- Muskelschwäche und Mobilitätsverlust
- Sturzneigung und Gleichgewichtsstörungen
- Mangelernährung und Gewichtsverlust
- kognitive Einbußen und Depression
- Müdigkeit am Tag, Polypharmazie
Diese Faktoren wirken sich negativ auf die Belastbarkeit im Rahmen operativer Eingriffe aus – insbesondere bei gefäßchirurgischen Operationen, bei denen die Regeneration körperlicher Ressourcen entscheidend ist.
Behandlung und Prävention
Vor geplanten Operationen ist daher ein geriatrisches Screening zur Einschätzung der Gebrechlichkeit unerlässlich. Bei auffälligen Befunden kann eine Prähabilitation helfen: gezieltes Muskeltraining, Ernährungsberatung und psychologische Stabilisierung – auch zu Hause oder per App möglich. Ziel ist nicht unbedingt eine maximale Gefäßrekonstruktion, sondern die Erhaltung von Lebensqualität, Mobilität und Selbstständigkeit. Hier zeigt sich: Weniger kann manchmal mehr sein. „Am Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen arbeiten wir in einem interdisziplinären Team, das auch Experten aus dem Bereich der Geriatrie einschließt. Wir widmen uns jedem Patienten individuell und beraten intensiv, ob eine Operation vertretbar ist oder wie gebrechliche Patienten bestmöglich vorbereitet werden können“, betont Dr. med. Ahmed Koshty, Chefarzt der Gefäßchirurgie am Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen.





