Bei einer fortgeschrittenen Nierenerkrankung übernimmt die Hämodialyse die lebenswichtige Aufgabe, das Blut von Stoffwechselprodukten und überschüssiger Flüssigkeit zu reinigen. Damit diese Behandlung regelmäßig und zuverlässig durchgeführt werden kann, wird ein dauerhafter Gefäßzugang benötigt. Der sogenannte Dialyseshunt gilt dabei als Standardverfahren. Er ermöglicht hohe Blutflussraten und schafft die Voraussetzung für eine langfristige und effektive Dialysebehandlung. Die Anlage und Betreuung eines Dialyseshunts gehört zu den wichtigen Aufgaben der modernen Gefäßchirurgie.
Was ist ein Dialyseshunt?
Ein Dialyseshunt ist eine operativ angelegte Verbindung zwischen einer Arterie und einer Vene. Durch diese Verbindung fließt arterielles Blut mit höherem Druck direkt in die Vene. Die Vene erweitert sich dadurch im Laufe der Zeit und ihre Gefäßwand wird belastbarer.
Dieser Prozess ist wichtig, weil die Vene später mehrfach pro Woche mit speziellen Dialysenadeln punktiert werden muss. Erst durch die Anpassung an den erhöhten Blutfluss entsteht ein dauerhaft nutzbarer Gefäßzugang für die Hämodialyse.
In der Medizin wird häufig auch von einer arteriovenösen Fistel oder kurz AV-Fistel gesprochen.
Warum wird ein Shunt für die Hämodialyse benötigt?
Bei einer Hämodialyse muss das Blut mit ausreichend hoher Geschwindigkeit aus dem Körper zur Dialysemaschine und anschließend wieder zurückgeführt werden.
Normale Venen sind für diese Belastung meist nicht geeignet. Sie sind häufig zu klein und bieten keine ausreichende Stabilität für die regelmäßigen Punktionen.
Der Dialyseshunt ermöglicht:
- hohe Blutflussraten für eine effektive Blutreinigung
- einen langfristig nutzbaren Gefäßzugang
- eine sichere Durchführung regelmäßiger Dialysebehandlungen
Aus diesen Gründen gilt der Dialyseshunt weltweit als bevorzugter Gefäßzugang für die chronische Hämodialyse.
Wie funktioniert ein Dialyseshunt?
Durch die operative Verbindung von Arterie und Vene verändert sich die Strömung innerhalb des Gefäßsystems. Das Blut fließt mit höherem Druck in die Vene, wodurch diese allmählich größer und belastbarer wird.
Während der Dialyse werden zwei Nadeln in den Shunt eingebracht. Über eine Nadel wird das Blut zur Dialysemaschine geleitet, über die zweite gelangt das gereinigte Blut zurück in den Körper.
Ein gut funktionierender Shunt ermöglicht eine zuverlässige Dialyse über viele Jahre.
Welche Arten von Dialyseshunts gibt es?
Nicht jeder Dialysepatient verfügt über die gleichen Gefäßvoraussetzungen. Deshalb stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung.
Nativer Shunt
Der native Shunt gilt als bevorzugte Form des Dialysezugangs. Hierbei werden eine körpereigene Arterie und Vene direkt miteinander verbunden.
Da ausschließlich eigenes Gewebe verwendet wird, weist diese Methode häufig eine gute Langzeitfunktion auf. Zudem ist das Risiko für Infektionen im Vergleich zu künstlichen Materialien meist geringer.
Häufig wird ein sogenannter Cimino-Shunt angelegt. Diese typische Form des Dialyseshunts wird zwischen der Speichenarterie (Arteria radialis) und der „Kopfader“ (Vena cephalica) am Unterarm geschaffen. Es gibt viele weitere Optionen eines nativen arteriovenösen Shunts.
Shunt-Prothese
Wenn die körpereigenen Gefäße nicht ausreichend geeignet sind, kann eine künstliche Gefäßprothese eingesetzt werden.
Dabei wird eine Verbindung aus speziellem Kunststoff zwischen Arterie und Vene geschaffen. Solche Shunt-Prothesen ermöglichen ebenfalls eine effektive Dialysebehandlung, erfordern jedoch häufig eine besonders sorgfältige Nachsorge.
Wie läuft die Shunt-Operation ab?
Die Anlage eines Dialyseshunts erfolgt meist ambulant oder im Rahmen eines kurzen stationären Aufenthalts.
In vielen Fällen wird der Eingriff unter örtlicher Betäubung oder Regionalanästhesie durchgeführt. Die Operationsdauer beträgt häufig etwa 30 bis 60 Minuten.
Vor der Operation werden die Blutgefäße mithilfe einer Ultraschalluntersuchung genau beurteilt. Dadurch lässt sich die für den jeweiligen Patienten geeignete Shunt-Position bestimmen.
Nach dem Eingriff kann die Durchblutung des Shunts unmittelbar überprüft werden. Typischerweise entsteht ein leichtes Vibrieren des Gefäßes, das als sogenanntes Schwirren wahrgenommen werden kann.
Wann sollte ein Dialyseshunt angelegt werden?
Die Planung eines Dialyseshunts beginnt häufig bereits in einem fortgeschrittenen Stadium einer chronischen Nierenerkrankung. Da der Gefäßzugang nach der Operation zunächst ausreifen muss, sollte die Vorbereitung möglichst rechtzeitig erfolgen. Gleichzeitig sollte die angedachte Vene oder gar die Venenregion vor weiteren Punktionen (als Beispiel eine Blutentnahme) geschützt werden.
Wird der Shunt bereits vor Beginn der Dialyse angelegt, kann er zum Zeitpunkt des Therapiebeginns häufig genutzt werden. Dadurch lässt sich in vielen Fällen die Anlage eines vorübergehenden Dialysekatheters vermeiden.
Die Entscheidung über den geeigneten Zeitpunkt erfolgt in enger Abstimmung zwischen Nephrologie und Gefäßchirurgie.
Dialysekatheter oder Dialyseshunt: Wo liegt der Unterschied?
Wenn eine Dialyse kurzfristig begonnen werden muss, kommt häufig zunächst ein Dialysekatheter zum Einsatz. Dieser wird meist über eine größere Vene im Hals- oder Brustbereich eingebracht.
Ein Dialysekatheter kann sofort genutzt werden, ist jedoch eher für die vorübergehende Anwendung vorgesehen. Im Vergleich dazu gilt der Dialyseshunt als langfristiger Gefäßzugang für die Hämodialyse. Er bietet in vielen Fällen eine höhere Belastbarkeit und wird daher bei dauerhaft dialysepflichtigen Patientinnen und Patienten bevorzugt.
Die Reifephase nach der Shunt-Anlage
Ein neu angelegter Dialyseshunt ist nicht sofort einsatzbereit. Die Vene benötigt Zeit, um sich an den erhöhten Blutfluss anzupassen.
Je nach individueller Gefäßsituation dauert dieser Prozess häufig zwischen zwei und sechs Wochen. In einigen Fällen kann die Ausreifung auch länger dauern.
Während dieser Zeit werden regelmäßige Kontrollen durchgeführt, um die Entwicklung des Shunts zu beurteilen.
Zur Unterstützung der Reifung können einfache Übungen sinnvoll sein, beispielsweise das wiederholte Zusammendrücken eines weichen Balls.
Leben mit einem Dialyseshunt: Was im Alltag wichtig ist
Ein Dialyseshunt begleitet Betroffene oft über viele Jahre. Deshalb spielt der richtige Umgang mit dem Gefäßzugang eine wichtige Rolle.
Der Shunt-Arm sollte vor unnötigen Belastungen geschützt werden. Blutdruckmessungen, Blutabnahmen oder Infusionen sollten an diesem Arm möglichst vermieden werden. Auch stark einschnürende Kleidung oder schweres Tragen können die Funktion des Shunts beeinträchtigen.
Ein wichtiges Zeichen für die Durchgängigkeit des Gefäßzugangs ist das typische Schwirren, das sich meist gut ertasten lässt. Veränderungen sollten zeitnah medizinisch abgeklärt werden.
Mögliche Komplikationen eines Dialyseshunts
Trotz moderner Operationsverfahren können im Verlauf Störungen auftreten, die eine Behandlung erforderlich machen.
Shuntverschluss
Ein Verschluss durch ein Blutgerinnsel zählt zu den häufigsten Komplikationen. Fällt das typische Schwirren plötzlich weg oder treten neue Beschwerden auf, sollte eine rasche ärztliche Untersuchung erfolgen.
Shuntstenose
Durch Veränderungen der Gefäßwand kann sich der Shunt verengen. Dadurch nimmt die Durchblutung ab und die Dialyse kann beeinträchtigt werden.
Viele Verengungen lassen sich heute mittels Kathetertechnik behandeln.
Infektionen
Rötungen, Schwellungen, Schmerzen oder Überwärmung im Bereich des Shunts können Hinweise auf eine Infektion sein. Eine frühzeitige Behandlung ist wichtig, um weitere Komplikationen zu vermeiden.
Shuntaneurysma
Durch die langjährige Nutzung kann sich die Gefäßwand stellenweise erweitern. Solche Aussackungen werden als Shuntaneurysma bezeichnet und sollten regelmäßig kontrolliert werden.
Steal-Syndrom
In seltenen Fällen kann durch den erhöhten Blutfluss über den Shunt die Durchblutung der Hand beeinträchtigt werden. Betroffene berichten mitunter über Kältegefühl, Schmerzen oder eine verminderte Belastbarkeit der Hand. Ob eine Behandlung erforderlich ist, hängt vom individuellen Befund ab.
Welche Rolle spielt die Gefäßchirurgie bei einem Dialyseshunt?
Die Gefäßchirurgie begleitet Dialysepatienten häufig über viele Jahre hinweg. Das Spektrum reicht von der Planung und Anlage eines neuen Shunts bis zur Behandlung möglicher Komplikationen.
Moderne bildgebende Verfahren ermöglichen eine frühzeitige Erkennung von Verengungen oder Durchblutungsstörungen. Dadurch können notwendige Behandlungen häufig erfolgen, bevor die Funktion des Dialysezugangs gefährdet ist.
Neben der klassischen Shuntchirurgie kommen heute zunehmend minimalinvasive Verfahren zum Einsatz, um bestehende Gefäßzugänge langfristig zu erhalten.
Shuntchirurgie am Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen
Die Gefäßchirurgie am Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen befasst sich mit der Diagnostik, Anlage und Behandlung von Dialyseshunts. Ziel ist es, für Patientinnen und Patienten mit chronischer Nierenerkrankung einen zuverlässigen und langfristig nutzbaren Gefäßzugang für die Hämodialyse zu schaffen.
Vor einer Shunt-Anlage erfolgt eine sorgfältige Untersuchung der Gefäße mittels moderner Ultraschalldiagnostik. Auf dieser Grundlage wird die individuelle Gefäßsituation beurteilt und die weitere Planung des Dialysezugangs abgestimmt.
Neben der Neuanlage von Dialyseshunts umfasst das Behandlungsspektrum auch die Diagnostik und Therapie von Shuntkomplikationen wie Verengungen oder Verschlüssen.
Häufige Fragen zum Dialyseshunt
Was ist ein Dialyseshunt?
Ein Dialyseshunt ist eine operativ angelegte Verbindung zwischen einer Arterie und einer Vene. Er dient als dauerhafter Gefäßzugang für die Hämodialyse.
Wie lange hält ein Dialyseshunt?
Die Haltbarkeit hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem von der Gefäßqualität, Begleiterkrankungen und der regelmäßigen Pflege. Gut funktionierende Shunts können viele Jahre genutzt werden.
Wann kann ein neuer Dialyseshunt verwendet werden?
In der Regel benötigt ein Dialyseshunt mehrere Wochen zur Ausreifung. Häufig ist eine Nutzung nach zwei bis sechs Wochen möglich. Der genaue Zeitpunkt wird individuell festgelegt.
Darf am Shunt-Arm Blutdruck gemessen werden?
Blutdruckmessungen, Blutabnahmen und Infusionen sollten am Shunt-Arm möglichst vermieden werden, um die Funktion des Gefäßzugangs nicht zu beeinträchtigen.
Was tun, wenn das Shunt-Geräusch oder Schwirren verschwindet?
Ein plötzliches Ausbleiben des typischen Schwirrens kann auf einen Shuntverschluss hinweisen. In diesem Fall sollte zeitnah eine ärztliche Untersuchung erfolgen.
Was ist der Unterschied zwischen einem Dialysekatheter und einem Dialyseshunt?
Ein Dialysekatheter wird meist kurzfristig eingesetzt und kann unmittelbar genutzt werden. Ein Dialyseshunt muss zunächst ausreifen, gilt jedoch als langfristiger Gefäßzugang für die Hämodialyse.
Wie erkenne ich, ob mein Shunt richtig funktioniert?
Ein funktionierender Shunt erzeugt meist ein charakteristisches Schwirren, das sich ertasten lässt. Veränderungen oder ein plötzliches Ausbleiben sollten ärztlich abgeklärt werden.





